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Ökumenischer Adventgottesdienst 2019: Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen

VON MAG. BEATRIX FRöHLICH GEPOSTET AM 20. DEZEMBER 2019

Hinführung zum Thema

Wir alle hinterlassen Spuren. Mit dem, was und wie wir reden, schreiben und auch damit, wie wir sind!

gd

Es gibt Sätze, die Spuren in unserer Seele hinterlassen, sich einbrennen. Das können liebevolle, tröstende oder lobende, aber auch verletzende oder abwertende Worte sein.

Der Advent ist eine besondere Zeit, ein Raum zwischen dem 1. Adventsonntag und dem Heiligen Abend, der uns eine Möglichkeit bietet nachzudenken … zum Beispiel darüber, welche Spuren Gott bei uns hinterlässt und welche wir hinterlassen. Durch unser Denken, Reden und Tun. Jeder von uns hat seine ganz persönliche Fähigkeit dazu.

Wir wollen heute damit beginnen –

damit unser Leben und das unserer Mitmenschen reicher wird … und bunter.

damit unser Alltag und der unserer Mitmenschen ein bisschen lichter wird

damit die Weihnachtsfreude sich ausbreiten kann … in unseren Herzen, durch unsere Worte und unsere Taten.

Nachdenkgeschichte – Zeichen setzen und Spuren hinterlassen

Ein alter Bauer spürte, dass sein Leben zur Neige ging. Immer wieder machte er sich Gedanken, ob er seinen Söhnen das Wichtigste für ihr Leben beigebracht hatte. Eines Tages rief er sie deshalb zu sich.

„Ich bin alt geworden und meine Zeit ist bald gekommen. Meine Spuren und Zeichen in der Welt werden bald verblassen. Bevor ich sterbe, möchte ich, dass ihr in die Welt hinausgeht und eure eigenen Spuren und Zeichen hinterlasst. In einem Jahr werde ich überprüfen, welche Spuren ihr hinterlassen habt.“

Kaum war das Gespräch beendet, fing der ältere Sohn an, Wegzeichen zu hinterlassen. Er baute Steintürme, band Gräser zusammen, brach Zweige und Äste ab, um sie in die Erde zu bohren oder zusammenzubinden. Manche Hinweise schnitzte er in Baumrinden – er arbeitete so hart – von früh bis spät, dass er weder Zeit fand, mit anderen zu reden - noch seine Umgebung zu betrachten. Er wollte seinem Vater zeigen, dass er seinen Auftrag ernst nahm.

Der jüngere Sohn lief hingegen von Dorf zu Dorf – redete mit den Menschen, erzählte ihnen, woher er kam und warum er unterwegs war. Er spielte mit Kindern, lauschte den Geschichten der Alten, tanzte mit den Menschen und aß mit ihnen zusammen an einem Tisch. Er freundete sich mit einem Jungen an und wurde in dessen Familie aufgenommen. Immer wieder fand er freundliche Menschen, mit denen er Erfahrungen und Gedanken austauschen konnte.

Sein Bruder betrachtete das Geschehen mit Ärger. Er dachte „Ich arbeite von Früh bis Spät und setze Zeichen! Mein Bruder macht nichts und ignoriert die Anweisungen unseres Vaters.“

Als die Brüder wieder daheim waren, erzählten sie ihrem Vater von ihren Erlebnissen. Der Vater folgte alsbald, wie angekündigt, seinen Söhnen auf deren Wegen.

Die Spuren des Älteren – egal, wo man hinschaute – waren nicht mehr zu sehen. Manche Bäume waren gefällt worden, der Wind hatte Gras und Äste verweht, der Regen hatte die Erde glatt gespült und die Steinhaufen waren fortgetragen worden.

Doch – welches Dorf auch immer – sie mit dem jüngeren Bruder besuchten, es herrschte helle Wiedersehensfreude, der jüngere Bruder wurden von fast allen wiedererkannt – er und seine Familie wurden freundlich eingeladen. Die Kinder liefen dem Jüngsten erfreut entgegen und die Alten strahlten ihn an.

Niemand aber erkannte den älteren Bruder.

„Warum erkennt mich niemand?“ wunderte er sich.

Sein Vater antwortete:

„Es gibt noch andere sichtbare Zeichen als Grashalme, Zweige und Steine , mein Sohn. Es sind die Spuren, die ein Mensch in den Herzen anderer hinterlässt, indem er ihnen Zeit und Freundschaft schenkt.

Ihr beide habt euch bemüht, meinen Auftrag zu erfüllen. Du hast viel gearbeitet, Mühe investiert und im Land deine Zeichen gesetzt.

Dein Bruder allerdings, hat die Zeichen und Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen.

Die Spuren im Herzen eines Menschen bleiben erhalten und leben weiter – sogar wenn alle anderen Wegzeichen vom Strom der Zeit weggespült worden sind.“